Kleine Schritte - Große Chancen

Die evangelische Kirche von Marokko ist 100 Jahre alt. Sie hat 11 Gemeinden und ist die einzige protestantische Kirche, die in Marokko staatlich zugelassen ist. Ihr Diakonieausschuss ist verantwortlich für die Arbeit mit Flüchtlingen und Migranten. In Zusammenarbeit u.a. mit der Katholischen Kirche verfolgt die Eglise Evangelique au Maroc verschiedene Projekte, die die Situation tausender in Marokko gestrandeter Flüchtlinge im Blick haben. Deren Zahl nimmt stetig zu, sie stammen aus den schwarzafrikanischen Ländern der Subsahara und flüchten vor Krieg und Bürgerkrieg, vor der Verfolgung krimineller Banden, vor Korruption und unsagbarer Armut und Chancenlosigkeit, vor der Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen, nicht zuletzt verursacht durch den Raub der Ressourcen durch den Norden unserer Welt. Diese Flüchtlinge machen sich per Lastwagen oder zu Fuß auf den Weg und sind oft zwei bis drei Jahre unterwegs.

 

Tränen, die du lachst, brauchst du nicht zu weinen

„Tränen, die du lachst, brauchst du nicht zu weinen“ – so lautet das Motto der diesjährigen Martinusaktion. Und das ist gleichzeitig der Leit – und Wahlspruch des Aachener Kinderzirkus „Pinocchio“, dessen Arbeit wir in diesem Jahr unterstützen wollen.

Der Gründer des Kinderzirkus, Josef Steinbusch, ist 64 Jahre alt, war lange Jahre Bewährungshelfer beim Landgericht Aachen und zieht seit 1996 mit einem wechselnden Team ehrenamtlicher Helfer für mehrere Monate im Jahr durch Städte und Dörfer in Bosnien, Serbien und Kroatien. Der Clown als Heiler, Therapeut und Friedenstifter: Als Zirkusdirektor und Zauberclown Juppino studiert er in Sarajevo, Tuzla, Banja Luka oder Srebrenica mit Kindern Clowns - , Zirkus – und Jonglage – Nummern ein.

Steh auf und geh nach Hause

"Baukommando" - diese seit Jahren bei den Martinus-Aktionen übliche Bezeichnung meint eine Gruppe rüstiger Rentner, die alljährlich ein großes Zelt für den Martinusmarkt aufbauen und durch ihren unermüdlichen Einsatz die entscheidende Voraussetzung dafür schaffen, dass wir wetterunabhängig St. Martin feiern können. Zum "Baukommando" gehörte auch Hans Engel, der die Martinus-Aktion anregte. Er hatte von dem aus dem nahen Dorf Ederen stammenden Pater Theodor Syberichs und seinem jahrzehntelangen Einsatz als Ordenspriester der Salensianer in Brasilien gehört und veranlasste uns, nähere Informationen über brasilianische Mitglieder des Ordens selbst und über Prälat Arnold Poll, den damaligen Präsidenten des Päpstlichen Missionswerkes der Kinder in Deutschland e.V (KINDERMISSIONSWERK) einzuholen.

Bäume helfen Leben retten

Unter dem Leitwort "Bäume helfen Leben retten" hatten wir uns für das Ziel entschieden, in Bangladesch Aufforstungsprojekte zu unterstützen. Wir wollten mithelfen, die katastrophalen Folgen der häufigen Überschwemmungen zu mindern, die von Menschen mit verursacht werden. Denn hemmungsloser Kahlschlag vernichtet den natürlichen Schutz durch Wälder, die bei heftigem Monsumregen die Wassermassen aufnehmen und deren Wucht bremsen können. Ein anderer Grund liegt in der Zerstörung der Mangroven an den Küstendeichen zugunsten der Landwirtschaft und der Garnelenzucht. Da die Sumpfwälder mit ihrem starken Wurzelgeflecht mehr und mehr verschwinden, richten Wirbelstürme schreckliche Verwüstungen an.

Im Müll erblüht ein Kindergarten

Charles Cervigne, Pfarrer der evangelischen Gemeinde Aldenhoven, hatte auf einer Ägypten-Reise den Stadtteil Moytamadea am Rande Kairos besucht und das gleichnamige Selbsthilfeprojekt für Menschen, die im Müll leben, kennen gelernt. Seine Schilderung über das armselige Dasein der "Müllmenschen", die vergeblich ihr Glück in der Großstadt suchen, ergänzte sein Amtsbruder J. Unkrieg, der viele Jahre als Pfarrer in der deutsch-evangelischen Gemeinde in Kairo gewirkt hatte. Er berichtete, die AKTION MOYTAMADEA hätte 1968 eine Diakonie-Schwester gemeinsam mit den dort lebenden Müllsammlern ins Leben gerufen.

Sonne kocht den Hirsebrei
Der Anstoß zur Martinus-Aktion kam von Monika Schneider, Lehrerin an der Käthe-Kollwitz-Realschule Aldenhoven. Sie und ihr Mann, der Völkerkundler Dr. Klaus Schneider, hatten drei Jahre in Burkina Faso verbracht und unmittelbar die fortschreitende Verknappung von Brennholz erlebt. Wenn hier nicht Einhalt geboten werde, stellte Dr. Schneider fest, sei in zwei Jahrzehnten jegliches Holz dem Raubbau zum Opfer gefallen. Mittlerweile sei in den Städten Brennholz teurer als die Mahlzeiten. In ländlichen Regionen müssten jeden Tag etwa zehn Kilometer zurückgelegt werden, um Holz zu besorgen. Dringend sollte Solarenergie genutzt und den Menschen praktisch nahegebracht werden, um eine weitere Ausbreitung der Wüste zu verhindern.

Brunnen für Sahel

In der Sahel-Zone herrschte seit Jahren eine Dürre mit katastrophalen Folgen für Menschen und Tiere, die zu Hunderttausenden verdursteten und verhungerten. Spontane und punktuelle Hilfsmaßnahmen - wie Bohrungen von Tiefbrunnen - waren oft ohne langfristige Konzeption und meist unkoordiniert.

Bei der Suche nach einem Kooperationspartner, der Entwicklungsarbeit als Unterstützung von Selbsthilfebewegungen begreift und umsetzt, stießen wir auf MISEREOR. Das Hilfswerk der deutschen Bischöfe vermittelte unsere finanzielle Unterstützung für den Bau von drei Brunnen in Obervolta - heute Burkina Faso.

Brot schenkt Leben

Im November 2000 feierte das Centro de Rehabilitación Cochabamba (CeReCo) sein 25jähriges Bestehen. Dieses Heilpädagogische Zentrum ist eine private Einrichtung, die aus einer sozial-caritativen Grundhaltung entstanden ist und ohne Gewinnorientierung arbeitet. In Bolivien gibt es kein System der Sonderbetreuung und -erziehung in staatlicher Verantwortung und Verpflichtung. Somit ist die Mehrzahl der Familien mit behinderten Kinder völlig auf sich gestellt. Das grundlegende Recht auf Bildung und Erziehung bleibt den meisten behinderten Menschen verwehrt. Es existiert nicht einmal eine medizinische Versorgung, die ein Leben frei von Schmerzen und mit größtmöglicher Bewegungsfreiheit eröffnen kann, ganz zu schweigen von therapeutischen Angeboten. Das Zentrum in Cochabamba ist ein Segen für der Ärmsten der Armen, zumal für Kinder und Jugendliche, die unter mehrfacher Schwerstbehinderung leiden.

Teilen lernen - weit weg von unserer Tür

In diesem Jahr verband nicht eine gemeinsame Aktion Kindergärten und Schulen, Vereine und Gruppen, sondern unterschiedliche Projekte in der "Dritten Welt" wurden umgesetzt. Hier soll eine Aktion mit Langzeitwirkung nachgezeichnet werden:

Die Pestalozzi-Schule Aldenhoven wählte Bolivien als Land "weit weg von unserer Tür" und schloss sich dabei einer Initiative an, die die (damalige) Gemeindereferentin unserer Pfarre St. Martin - Therese Bend - angestoßen hatte. Der Grund war ein Brief aus der Stadt Sucre in Bolivien gewesen.

 

Die Zukunft selbst in die Hand nehmen
MISEREOR war unser Kooperationspartner bei der Martinus-Aktion zugunsten von Adivasis, der indischen Urbevölkerung, die eine bedrohte Minderheit in Zentral-Indien darstellt. Seit Jahren unterstützt MISEREOR Selbsthilfe-Projekte, die geeignet sind, Kultur und Identität der Adivadis zu bewahren und die Menschen aus der Abhängigkeit von Medizinmännern und Grundbesitzern, Unternehmern und korrupten Behörden, Geldverleihern und Zwischenhändlern zu befreien.
Eines solcher Selbsthilfe-Projekte ist eine Grundausbildung für Handwerker, z.B. Reparatur von Fahrrädern und Dieselmotoren der Brunnen.