Hunderttausende waren zwischen die Fronten des Bürgerkrieges der Roten gegen die Weißen Khmer und der vietnamesischen Armee geraten und suchten Schutz in elenden Flüchtlingslagern nahe der thailändischen Grenze. In einem dieser Lager - in Ta-Tum (Grüner Hügel) - richtete die action medeor einen Basis-Gesundheitsdienst ein.

Durch Kleidersammlungen und weitere Aktivitäten kam Geld zusammen, das der action medeor für Medikamente zur Verfügung gestellt wurde.

Einen ganzen Stapel medeor-Pakete konnte das Tönisvorster Hilfswerk in die Flüchtlingslager in Thailand schicken. Foto: Medeor

Als wir eine neue Gestaltung des Martinsfestes entworfen hatten, waren wir bei der Frage, wie wir uns selbst von einem Stück unseres "Mantels" trennen könnten, auf den Vorschlag gestoßen, Kleider zu teilen, Sachen wegzugeben. Jahrelang gehörte deshalb eine Kleidersammlung zur Martinus-Aktion. Dafür hatten wir eigens Säcke mit dem unserem Martinus-Emblem besorgt, die in alle Häuser gebracht, am Martinstag eingesammelt und zu einer Verwertungsstelle transportiert worden waren. Nachweislich hatte dieser Betrieb brauchbare Kleidungsstücke aussortiert und zu entsprechenden Preisen verkauft. Der Reinerlös war unserem jeweiligen Projekt zugute gekommen.

Mit der Kleidersammlung hörten wir Jahre später auf, als wir von den negativen Auswirkungen in Ländern der "Dritten Welt" erfuhren. Selbstkritisch mussten wir feststellen, dass unsere gut gemeinte und auch finanziell effektive Maßnahme mit dazu betragen könnte, einheimische Textilindustrie zu zerstören und Arbeitsplätze zu vernichten. In einem Flugblatt informierten wir die Öffentlichkeit und begründeten unsere Entscheidung, künftig auf Kleidersammlungen zu verzichten.